
Wir sind immer noch die einzigen Camper auf dem Platz, allerdings ist das eine Auto von Dauercampern (mehrere Wohnwagen stehen herum) verschwunden. Entweder wurde es gestohlen, was ich eher nicht glaube anhand des Zustandes des Autos, oder es wurde benutzt, um weg zu fahren. Wir fahren dann auch los und kommen schon nach relativ kurzer Zeit in Dunedin an. Hier ist der Diesel wieder etwas billiger, also tanke ich auf und dann geht es in der Stadt an die Parkplatzsuche. In der Nähe des Bahnhofs hat es Parkplätze entlang der Strasse, die zwar etwas kosten, aber man einen Van von 7.2 Metern Länge ohne Probleme drauf abstellen kann. Immerhin die Räder sind innerhalb des Parkfeldes, der Rest ragt etwas darüber hinaus, vorne und hinten. Dann machen wir uns zu Fuss auf zum Bahnhof, einem eindrücklichen Gebäude mit Mosaikboden und farbigen Glasfenstern. Von hier aus werden auch Zugfahrten mit nostalgischen Zügen angeboten, allerdings sind wir für die ersten Abfahrten zu spät und für die zweiten zu früh. Und wir wollen auch nicht den halben Tag im Zug verbringen, darum machen wir uns auf ins Zentrum.
Wir halten unterwegs im «The Corner Shop» an und frühstücken dort. Eier, Speck und Rösti in einem Ciabatta Brot, frisch getoastet und dazu die üblichen Morgengetränke. Bevor wir weitergehen, benutzt Amy noch die Toilette, verschwindet durch die Türe bei der Küche und kommt dann nach einiger Zeit durch die Eingangstüre wieder herein. Sie hat sich wieder einmal verlaufen und ist auf dem Rückweg durch das Café gleich nebenan gegangen, denn die beiden Läden teilen sich die WC Räumlichkeiten.

Wenige Schritte von hier ist das «Octagon», eine achteckige Kreuzung, die unser TomTom als Kreisel angesehen hat, auch wenn eine Strasse quer durch die Mitte führt. Es ist Samstag, aber die Arbeiter der Stadt sind nichtsdestotrotz am Bäume schneiden und Äste am Häckseln. Ich flüchte vor dem Lärm des Häckslers in die St. Pauls Cathedral. Die Kirche wäre neogotisch, sieht aber innen komisch aus, denn der Chor passt im Stil nicht zum Rest. Gemäss Informationstafeln drohte der Turm, der im gleichen Stil gebaut war, einzustürzen und wurde darum abgebrochen. Und der Chor wurde neu gebaut, als völliger Gegensatz zum Rest der Kirche. Aber die Orgel blieb erhalten. Sie gilt als eine der grössten Orgeln der südlichen Hemisphäre, mit über 3500 Pfeifen. Momentan wird sie offensichtlich restauriert, sie ist verhüllt, was aber den Organisten nicht daran hindert darauf zu üben. Wieder draussen gehen wir die Strasse entlang und sehen dort noch die Town Hall (alt) und die Library (neu). Es hätte auch in Dunedin einen Street Art Walk, aber den lassen wir heute aus.


Im Vodafoneshop erkundige ich mich noch, warum ich keine Internetverbindung mehr bekomme, wo ich doch Geld aufgeladen habe. Ich kriege dann Bescheid, dass das Geld nur als Telefonguthaben aufgeladen wurde, aber nicht als Datenguthaben. Ich habe soviel Gratisminuten zum Telefonieren in Neuseeland und so viele Gratis-SMS, dass mir das Telefonguthaben nichts nützt und immerhin können die Jungs im Laden mein Telefonguthaben in Datenguthaben umwandeln, dass ich wieder Internetzugriff habe. Wenn das aber aufgebraucht ist, dann ist es billiger eine neue Sim-Karte zu kaufen als Daten, denn das ist viel billiger, weil Promotion! Jetzt wo ich mir endlich die Nummer merken kann, soll es eine neue geben!
Anschliessend fahren wir zum Larnach Castle, dem einzigen Schloss in Neuseeland. Das Schloss ist auf der Otago Penninsula, östlich von Dunedin. Wie es sich für ein Schloss gehört, steht es auf der höchsten Erhebung, was hier steile Strassen hinauf und wieder hinunter bedeutet. Wir belassen es bei einem Besuch des Parkes, der wirklich hübsch angelegt ist. Es gibt auch ein Faltblatt dazu, das die einzelnen Bereiche beschreibt und ein zweites Faltblatt, das sogar einzelne Pflanzen erklärt. Das Schloss hat aber auch einige neuseeländischen Züge, zeigen doch die zwei untersten Stockwerke die typischen Veranden der Siedlerhäuser; eine aussergewöhnliche Kombination.

Der Besuch bei der Albatros Conservation Station am Ende der Halbinsel, erweist sich als eine Enttäuschung, denn nur mit geführten Touren lassen sich die Albatrosse besichtigen und die sind uns zu teuer und zu lang. Also nehmen wir nur einen Zvieri hier und machen uns auf den Rückweg. Ziel ist Moeraki, etwas weiter die Küste Richtung Norden, und die Fahrt dorthin wird wieder sehr kurvig und hügelig. Vor allem auch deshalb, weil TomTom findet, dass wir besser nicht auf dem Highway entlang der Küste bleiben (das wäre ja zu einfach), sondern besser durch die Berge fahren. Damit lässt sich entweder etwas Dis tanz oder Zeit oder beides sparen und wir kommen sicher eine Minute früher am Ziel an… Allerdings ist es interessant, die Gegend in den Bergen zu sehen. Da werden ganze Berge abgeholzt, völlig kahl geschlagen. Und nicht nur die Bäume werden gefällt, teilweise werden der Einfachheit halber auch grössere Erdmassen verschoben, dass es aussieht als wäre man in einer Tagebaumine. Allerdings sieht man aber, dass auch ganze Berge wieder aufgeforstet werden, aber das sind Monokulturen, gepflanzt, um in einigen Jahren wieder gefällt zu werden.
In Moeraki finden wir den Campground und fahren durch das Tor, aber da ist keine Reception, kein Office. Wir halten an und begeben uns auf die Suche. Wir finden das Büro etwas weiter unten und beim Einchecken fragt uns dann die Dame, wo unser Van sei, weil sie ihn hier nicht sehen kann. Als wir ihr sagen, dass wir durch das obere Tor hereingefahren seien, sagt sie, dass das Tor nur für den grossen Bus (Velofahrer auf geführter Tour mit Zelten) offen sei und eigentlich nicht für uns gemeint war. Wir erhalten unseren Platz und den Tip, in der Tavern essen zu gehen. Dort bestellen wir das «Chefs Special», Lachs auf verschiedenen Rüebli und Pak Choi. Immerhin etwas chinesisches, weil heute doch Chinese New Year ist! Es fängt das Jahr der Ratte (2020, 2008, 1996, 1984, 1972, 1960, 1948, 1936) an.