Nein, es gibt kein Filet im Teig, es gibt Stadtbesichtigung. Weil es in der Stadt mühsam ist Parkplatz zu finden, geschweige denn einen wo unser Van drauf passt, nehmen wir den Bus in die Stadt. Nach dem Frühstück gehen wir zur Bushaltestelle, ohne auf den Fahrplan zu achten, und nach wenigen Minuten kommt schon ein Bus, der uns in die Stadt fährt. Allerdings ist es kalt und es nieselt. Bis wir bei Wellington Station ankommen regnet es. Wir gehen in die Station hinein, um unsere Regenjacken anzuziehen. Allerdings ist das eine etwas komische Station, denn hier hat es eine Bibliothek. Wir sind in die Räume einer Universität geraten, die hier gleich neben dem Bahnhof ihre Räumlichkeiten hat. Aber keiner stört sich daran, dass wir hier sind.

Regenfest angezogen gehen wir wieder hinaus. Gleich gegenüber ist der Bienenstock «Beehive». Im Gebäude, das in den 60er Jahren geplant wurde und zwischen 1969 und 1979 erbaut wurde, befinden sich die Büros der Minister und des Premier Ministers, sowie das nationale Krisenmanagementzentrum im Keller. Das Gebäude ist unterirdisch auch mit dem Parlamentsgebäude verbunden, das gleich daneben steht. Weil nur gerade 400 Meter daneben der Wellington-Fault (eine tektonische Verwerfung) verläuft, wurde das Parlamentsgebäude bei Renovationsarbeiten 1992 – 1995 auf ein neues Fundament mit 417 Schwingungsdämpfern aus Gummi gestellt, dass Schäden auch bei einem schwereren Erdbeben ausbleiben bzw. gering sein sollen.
Von hier aus gehen wir Richtung Te Papa Museum, dem Museum von Neuseeland. Das Wetter ist jedenfalls museumstauglich, denn es regnet immer noch. Auf dem Weg dorthin, kommen wir an der Waterfront vorbei, wo es einiges an Kunst zu sehen gibt, aber auch einiges an Läden. Alles ist sehr schön gestaltet hier, schliesslich sind wir auch in der Hauptstadt. Te Papa ist ein riesiges Museum, das die Geschichte Neuseelands beleuchtet. Aber auf den 5 Stockwerken gibt es verschiedene, wechselnde Ausstellungen. Die meisten davon sind gratis, spezielle kosten Eintritt. Wir sehen uns zuerst die Ausstellung über die Natur an, dann eine Spezialausstellung zu Gallipoli, einer schlecht geplanten und durchgeführten Kampagne des ersten Weltkrieges, die viele Opfer aus Australien und Neuseeland kostete, halfen die beiden Länder doch den Briten bei ihrem Kampf. Gallipoli sollte erobert werden, dass die Dardanellen für die Briten zugänglich würden und so ein Angriff auf Konstantinopel möglich würde. Nach dem ersten Angriff auf Gallipoli im April 1916 zogen sich die Briten im Dezember 1916 von der Halbinsel zurück, ohne das geplante Ziel (sichere Durchfahrt durch die Dardanellen) auch nur im Entferntesten einmal in Reichweite gehabt zu haben.
Es gäbe noch viel mehr zu sehen hier im Te Papa Museum, aber für heute haben wir genug. Unterdessen ist auch das Wetter besser geworden und wir machen uns auf Richtung Wellington Cable Car. Das gibt unterwegs Gelegenheit etwas zu essen und auch einige Fotos zu machen. Beim Cable Car angekommen geht es, nachdem wir unsere Tickets gekauft haben, gleich los. Wir sind gerade auf die Abfahrtszeit eingetroffen. Die Fahrt mit einer Standseilbahn ist für uns ja nichts Aussergewöhnliches. Was hier speziell ist, dass die Tunnels beleuchtet sind. Nicht einfach nur weiss, sondern mit farbigen LEDs, mit Choreografie. Zur Disco fehlt nur noch die Musik! Die Fahrt dauert gerade mal 4 Minuten, inklusive 3 Stopps! Oben angekommen erfreuen wir uns zuerst einmal an dem Ausblick über die Stadt, denn unterdessen ist es sonnig. Und die Seilbahn müssen wir natürlich auch noch von aussen fotografieren. Gleich neben der Bergstation gibt es ein kleines Museum zur Seilbahn, mit 2 alten Wagen die früher benutzt wurden. Vorne und hinten gab es offene Plattformen, auf den Seiten jeweils 5 Sitze, offen nach aussen. Die heutige Bahn wurde von einem Schweizer Unternehmen gebaut und geliefert und läuft auch schon fast 50 Jahre.
Von hier oben gibt es einen gemütlichen Spaziergang durch den botanischen Garten in die Stadt hinunter, wo wir nach diversen Fotohalten dann wieder beim «Beehive» ankommen. Wir gehen noch über die Strasse, zum «Old Parliament Building». Das Gebäude wurde als Parlament genutzt, dann vom neuen Parlamentsgebäude abgelöst, wieder benutzt als das neue Parlament einem Feuer zum Opfer fiel, aber dann endgültig zu klein wurde. Speziell am Gebäude ist, dass es von aussen wie ein Steingebäude aussieht, aber ein Holzbau ist. Wenn man hineingeht (man darf), sieht man überall das Holz, am schönsten im Treppenhaus.
Wir sind immer noch in der Nähe des Bahnhofs und nehmen von hier aus den Bus wieder zurück zum Campground. Allerdings scheint der Fahrplan nicht so verbindlich zu sein. Der eine Bus der kommen sollte, verschwindet plötzlich von der Anzeigetafel. Aber auch von andern Buslinien kommen plötzlich gleich 2 hintereinander. Entweder ist das im Wellingtonschen Abendverkehr normal oder es hat damit zu tun, dass beim Stadion einige Strassen gesperrt sind, weil heute Abend gibt es ein Konzert von Queen mit Adam Lambert. Hätte ich das früher gewusst, hätte ich mir Tickets besorgt. So bleibt mir nur das Vergnügen die Laundry Facilities des Campgrounds in Anspruch zu nehmen, so langsam gehen uns die sauberen Kleider aus.