Tagwache ist früh heute, dass wir um 05:55 Uhr abfahren können. Es ist noch dunkel und wir fahren die Strecke zurück, die wir gestern gekommen sind. Nach ein paar Kilometern sehen wir die ersten parkierten Autos am Strassenrand. Wir suchen uns auch einen Parkplatz und stellen unseren Van dort ab. Dann geht’s mit dem Shuttlebus um den Berg herum zum Anfangspunkt des «Tongariro Alpine Crossing». 19.4 km von Mangatepopo (1150 m) via Soda Springs, South Crater (1660 m) zum Red Crater (1886 m). Dann wieder abwärts via Emerald Lakes, etwas hinauf zu Blue Lake (1725 m) und dann via Ketetahi Shelter (1454 m) zum Ketetahi Park und Ride (ca 750 m).

Ziemlich genau um 7 Uhr geht’s los. Auf guten Wegen leicht aufwärts bis zu den Soda Springs. Die Springs lassen wir links liegen, die 600 extra Meter hin und zurück wollen wir uns sparen, wir werden noch genug marschieren heute. Bisher waren wir schon 1 Stunde 15 unterwegs.
Von hier an fängt es an aufwärts zu gehen. Weit oben am Berg kann man die Leute sehen die früher angefangen haben oder schneller waren. Da hinauf sollen wir auch? Ich schätze es sind etwa 400 m aufwärts über «The Devils Staircase». Der Weg ist gut ausgebaut und hat viele Treppen eingebaut, daher der Name. Nach einer weiteren Stunde sind wir am Rand vom South Crater angekommen. Der nächste Teil ist flach, geradeaus über den Krater. In 15 Minuten hat man das geschafft.

Ab jetzt geht es steil nach oben, dem Red Crater Ridge entlang. Es hat immer noch einen Weg, aber keine eingebauten Stufen, sondern nur Steine und dazwischen etwas Weg. Glücklicherweise ist schönes Wetter, sonst könnten hier starke Winde den Aufstieg noch erschweren. Teilweise muss man auch die Hände brauchen, um sich hinauf zu ziehen, denn manche Tritte sind sehr hoch. Hier geht es langsam voran und wir werden von diversen jüngeren, fitteren Leuten überholt. Allerdings hat es nicht soviel Platz, die Kante ist so zwischen einem und zwei Metern breit, wo der ganze Verkehr hindurch muss. Mit starkem Wind könnte das eine schwierige Sache werden. Angegeben ist für die Strecke 30 Minuten, wir brauchen eine ganze Stunde bis wir endlich auf dem Red Crater Summit angekommen sind. Von hier hat man einen guten Rundblick, aber wir sind so erledigt, dass wir sogar ein Gipfelfoto vergessen.

Ausserdem kommt nun der, für Amy, schwierigste Teil der Wanderung, der steile Abstieg zu den Emerald Lakes. Abstiege sind für Amy immer etwas schwierig, aber hier hat es keinen richtigen Weg. Wohin man gehen muss ist klar, aber das ist mehr eine Kieshalde als ein Weg. Am besten geht es mit der Technik die Michaela schon beschrieben hat, die Füsse seitwärts aufsetzen und auf dem Kies etwas rutschen, dann den nächsten Fuss. Es fühlt sich an wie beim Skifahren für Anfänger, quer den Hügel hinunterrutschen. Amy hat Mühe mit dem Abstieg und so werden es 45 Minuten bis wir unten an den Emerald Lakes sind. 3 Seen, alle leuchtend grün, Dampf der neben einigen Felsen aufsteigt, warme Felsen von unten gewärmt und ein Geruch nach Schwefel liegt in der Luft. Wir bewegen uns auf einem Vulkan, der 2012 das letzte Mal aktiv war.

Von den Emerald Lakes zum Blue Lake ist es ein flacher, guter Weg mit einem kurzen Aufstieg am Schluss. Zeitmässig haben wir die Hälfte schon geschafft, Kilometermässig noch nicht. Von hier aus geht es generell abwärts und als wir bei Blue Lake um die Ecke gehen, können wir schon das Ende des Trails sehen. Also sehen kann man die ungeteerte Strasse vom Ende des Trails zum Parkplatz und Autos glitzern dort in der Sonne. Nach einer Stunde kommen wir beim Ketetahi Shelter an. Dort gibt es allerdings nur noch Toiletten, keinen Shelter mehr. Der wurde bei einem Ausbruch des Vulkans 2012 von einem wegfliegenden Gesteinsbrocken (Grösse Kochherd) zerstört.
Wir sind immer noch weit vom Ziel entfernt. 2 Stunden dauert es noch, bis wir am Ende des Trails ankommen werden. Abwärts, abwärts, abwärts, bis 5 Kilometer vor Schluss nochmals ein kurzer steiler Anstieg erfolgt, der den Beinen gar nicht gut tut. Dann wieder abwärts, Kilometer um Kilometer. Fand ich anfangs die Plastikgitter (bienenwabenförmige Hartplastikgitter, ca. 5 cm hoch, mit Erde und Kies gefüllt) die den Weg befestigen noch gut, so sind sie je länger desto mehr einfach nur noch hart unter den Füssen; loses Kies ist angenehmer um lange darauf zu laufen. Auch die vielen Treppenstufen machen die Sache nicht angenehmer. Wir sind nicht so schnell unterwegs wie viele andere, die uns auf dem Weg nach unten überholen, aber wir haben auch keinen Shuttlebus den wir erwischen müssen. Gegen Ende führt der Weg dann durch Büsche und anschliessend Wald, da ist es angenehm zu marschieren.

Plötzlich taucht aus den Bäumen ein Shelter auf, so wie am Anfang der Strecke, und wir sind da. Wir haben die offizielle Strecke geschafft: 19.4 km in siebeneinhalb Stunden. Und jetzt geht es noch einen weiteren Kilometer der Kiesstrasse entlang bis zu unserem Auto. Beim Shelter fahren nur Shuttlebusse ab und parkieren kann man dort Maximum 4 Stunden. Jedes Mal, wenn einer der Busse vorbeifährt wirbelt er eine riesige Staubwolke auf. Amy benutzt ihren Kälteschutz jetzt als Schutz gegen den Staub. Zum Glück ist unser Auto nicht weit von der Abzweigung entfernt als wir auf die Strasse kommen. Zurück im Campground ist eine heisse Dusche angesagt und dann fahren wir nach Turangi zum Nachtessen. Dummerweise hat das chinesische Restaurant, das wir uns ausgesucht haben, kein Wifi und Kreditkarten akzeptieren sie auch nicht. Aber als ich ihnen sage, dass ich nicht genug Bargeld dabei habe, geht es dann plötzlich doch.