Freitag, 20. Dezember 2019 – Capricorn Caves, Mon Repos

Wir sind wieder früh wach und Amy macht das übliche Frühstück (heisse Schoggi für mich und Milchkaffee für sich, alles aus dem Beutel, einfach mit heissem Wasser anrühren). Ich bekomme noch ein Sandwich, weil sie nichts essen will und das ist von den Mittagessenvorbereitungen übrig geblieben. Dann geht es wieder los Richtung Süden. Wir sind zwar früh dran, aber der Besitzer hier war noch früher, denn das Schild, das er gestern Abend in die Einfahrt gestellt hat, ist wieder weg.

The Camel!

Kurz vor Rockhampton biegen wir von der Autobahn ab und fahren zu den Capricorn Caves. Höhlen die aus dem Kalkfelsen herausgewaschen wurden und nun Heimat sind für, nein nicht Steinböcke, sondern Fledermäuse. Die leben zu tausenden in der Höhle und haben in tausenden von Jahren den ganzen Boden vollgekackt, vornehmer ausgedrückt Guano produziert. 1880 haben die Söhne von John Olson, einem norwegischen Siedler, die Höhle entdeckt, als sie ausgerissene Pferde suchten. Mit einem Span als Lichtquelle erkundeten sie den Anfang der Höhle und erzählten dann ihrem Vater davon. Der erhob dann Anspruch auf das Land, aber das musste von einem Staatsangestellten noch auf seinen Wert geprüft werden. Sollte das Land etwas Wertvolles enthalten, hätte es der Staat nicht abgegeben. John Olson erhob Anspruch auf ein viel grösseres Gebiet als nur das der Höhlen und bestellte den Staatsdiener im Sommer auf seine Farm. Die Tour mit dem Offiziellen begann er am andern Ende des Landstücks und bevor sie auch nur in die Nähe der Höhlen kamen, hatte der Mann in seinem feinen Wollanzug schon genug gesehen und soviel geschwitzt, dass er das Land an Olson übergab. So kamen die Höhlen in Privatbesitz und als sie 1884 definitiv in den Besitz von John Olson übergingen, fing er an Touren in die Höhlen zu organisieren. Für den Staat hatte er die Höhlen zufällig beim Fällen von Bäumen gefunden… Bis 1988 blieben die Höhlen während 4 Generationen im Besitz der Familie Olson. Dann wurden sie an die Familie Augusteyn verkauft, die sie nun auch schon in zweiter Generation besitzt und betreibt. Es sind die einzigen Höhlen in Australien in Privatbesitz.

Anfänglich wurde während 6 Jahren auch Guano als Dünger abgebaut. Etwa 6 Tonnen Guano wurden aus der Höhle gebracht, dann wurde damit aufgehört. Nicht dass es kein Guano mehr gegeben hätte, das liegt heute noch meterhoch auf dem Höhlenboden und an einigen Stellen kann man sehen, wo die Obergrenze einmal war, ca 1.5m über dem jetzigen Boden. In der Höhle gibt es auch eine «Kathedrale», ein grosser Raum mit guter Akustik und mit Kirchenbänken ausgestattet, die sehr beliebt ist für Hochzeiten.

Anschliessend an unsere Führung dürfen wir nochmals in die Höhle, denn es gibt hier ein «Martinsloch» Phänomen. Immer im Dezember, während ca 2 Wochen, scheint die Sonne hier am Wendekreis des Steinbocks (darum Capricorn Caves) genau von oben durch ein Loch im Boden (vermutlich entstanden durch einen abgestorbenen Baum) in die Höhle. Während etwa 30 Minuten fällt das Sonnenlicht sehr intensiv in die Höhle und es lassen sich interessante Effekte damit erreichen. Und die Einstrahlung ist so stark, dass mit einem Blechwok das Sonnenlicht gebündelt werden kann, sodass sich damit Löcher in Papier brennen lassen. 5 Eintrittsbillette übereinandergelegt erhalten so ein Brandloch von einem Zentimeter Durchmesser.

In Rockhampton essen wir im Park unsere Sandwiches und erkundigen uns in der Touristinformation noch nach weiteren Sehenswürdigkeiten in der Gegend. «Mon Repos» bei Bundaberg wird uns empfohlen, weil dort die Seeschildkröten am Strand Eier legen. Ausserdem hat es in Bundaberg eine Bierbrauerei und eine Rumdestille, die Führungen anbieten. Wir organisieren uns den Zeltplatz per Telefon, weil vor 6 Uhr schaffen wir es nicht mehr dorthin. Im Tresor bei der Reception ist ein Couvert für uns bereit mit all den nötigen Angaben. Perfekt organisiert.

Nach dem Znacht auf unseren Stellplatz, gehen wir an den Strand. Seeschildkröten legen ihre Eier nachts und unterdessen ist es schon dunkel. Über einige Steine steigen wir zum Strand hinunter, wo zwei dunkle Gestalten stehen. Es sind zwei Freiwillige, die hier sind, um die Leute davon abzuhalten, die Schildkröten zu stören (Licht, Lärm). Auch wenn die Weibchen in der Legezeit (November – Dezember) alle 2 Wochen etwa 140 Eier legen, so überleben nur etwa 1 von tausend geschlüpften Jungen und kommen selber zurück, um zu brüten. Darum sind sie auch geschützt. Allerdings ist im Moment Ebbe und die Schildkröten kommen erst bei Flut an den flachen Strand. Der Weg ist ihnen bei Ebbe zu weit. Am frühen Morgen könnten wir vielleicht Spuren im Sand finden.

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