Heute stehen wir wieder einmal mit dem Wecker auf, weil wir eine Tour zum Doubtful Sound um 8 Uhr gebucht haben. Wir sind schon etwas vor halb acht am Pier, was vorteilhaft ist für uns, denn um diese Zeit hat es noch Parkplätze in der Nähe. Wir gehen ins Büro und lassen uns einchecken, erhalten unsere Bordkarten und unsere Gutscheine für Lunchpakete. Katherine, die uns eincheckt, ist zwar etwas enttäuscht, als sie in der Buchung sieht, dass wir aus der Schweiz kommen: Wegen meiner Kappe hatte sie sich auf Landsleute gefreut.

Wir warten kurz draussen, als auch schon die Lunchpakete geliefert werden und ich unsere abhole. Weil sie etwas unhandlich sind, erhalten wir eine schöne, umweltfreundliche Papiertasche dafür. Die Lunchpakete werden im Büro verteilt, nicht im Café im unteren Stock wie eigentlich vorgesehen. Das Café ist geschlossen; wegen Überschwemmungsschäden wird es gerade renoviert. Kurz vor 8 geht es dann aufs Schiff, das uns die erste Etappe über den Lake Manapouri bringt.
Am Ende des Sees gibt es ein unterirdisches Wasserkraftwerk, von dem man nur eine Staumauer sieht. Das Projekt wollte ursprünglich den Wasserspiegel des Sees um 30 Meter anheben, was aber Proteste auslöste, denn damit wären mehrere Dörfer überschwemmt worden. Das Projekt wurde dann redimensioniert und nun wird das Wasser aus dem Lake Manapouri zur Stromproduktion durch das Kraftwerk und dann in zwei 10 km langen Tunnels zum Meer bei Deep Cove geleitet. 1964 wurde mit dem Bau begonnen und 1971 wurde der erste Strom produziert. Alles Gerät, alle Turbinen und Generatoren wurden vom Doubtful Sound her über eine Strasse hergeschafft. Die teuerste Strasse Neuseelands, weil sie so abgelegen ist und sie so tragfähig gebaut werden musste, dass die einzelnen Komponenten, mit einem Gewicht von bis zu 100 Tonnen, hergefahren werden konnten. Aber nicht nur das Gewicht war eine Herausforderung, sondern auch die Tatsache, dass die Strasse bis zu 20% Steigung bzw. Gefälle aufweist. Da dauert der Transport vom Meer zum Kraftwerk wesentlich länger als die eine Stunde die unser Bus für die Strecke braucht. Beim Bau der Strasse wurde alles abgetragene Material einfach auf beiden Seiten der Strasse deponiert. Moos war das erste was dort wuchs, dann Farne und heute steht der Wald gleich wieder neben der Strasse.

In Deep Cove geht es dann wieder aufs Schiff, eben dasjenige, das gestern defekt war. Heute funktioniert es und es geht gleich los. Die Fahrt durch den langen Fjord führt uns bis aufs offene Meer, vorbei an einer Robbenkolonie kurz vor der Mündung. Etwa die Hälfte der Robben liegt auf den Felsen herum, aber die andere Hälfte ist im Wasser und scheint sich an einem Fischschwarm gütlich zu tun. Chris, der Tourguide, meint, dass er selten so viele der Robben im Wasser gesehen hat. Wir fahren um die Robbenfelsen herum und kommen so auf die offene See, wo ein Albatros über unser Schiff hinwegfliegt. Sieht aus wie eine Möwe, erst wenn er in der Nähe ist, sieht man die Grösse.
Doubtful Sound wurde 1770 von Captain Cook entdeckt. Wegen der starken Winde in den Fjord hinein, zweifelte er, wieder aus dem Fjord heraussegeln zu können und nannte ihn darum Doubtful Harbour. In dieser Gegend sollten auch Teile des zweiten Teils von «Jurassic Park» gedreht werden. Alles Equipment wurde hergeschafft, die ganze Crew war da, alles war bereit und man wartete auf schönes Wetter, um Probeaufnahmen machen zu können. Und man wartete und wartete und wartete. Nach zwei Monaten ohne einen schönen Tag hatte man genug vom Warten und drehte den Film in Costa Rica! Lake Manapouri hat mit etwa 4 Metern Regen pro Jahr schon eine hohe Regenmenge, Doubtful Sound kann aber bis zu 10 Metern Regen pro Jahr bekommen und an etwa 200 Tagen im Jahr regnet es. Heute nicht, es hat nur Wolken.
Auf dem Rückweg fahren wir in den Hall Arm, der letzte Arm vor Deep Cove. Dort werden wir gebeten ganz ruhig zu sein, nicht auf dem Schiff umherzugehen, denn der Kapitän stellt auch Motor und Generator des Schiffs ab, dass man die Natur hören kann, sozusagen «The Sound of Silence». Und wirklich, ohne Motorengeräusche kann man Fusstritte auf dem Metalldeck extrem gut hören, aber als die verstummt sind, hört man die Vögel zwitschern. Und nicht nur uns gefällt die Stille, sondern auch einer Robbe, die hier im Wasser die Flossen aus dem Wasser streckt und sich treiben lässt.

Auf der Rückfahrt hält der Bus auf dem Weg zum Pass an einem Aussichtspunkt an, dass wir auch die Aussicht auf Deep Cove nochmal sehen und fotografieren können.
Auf dem Rückweg fahren wir nochmal nach Te Anau um einzukaufen. In Manapuori gibt es keinen wirklichen Laden, nur einen kleinen Tankstellenshop und unser Kühlschrank ist leer.